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Die Flasche, mein bester Freund

Ich war Künstler, Schriftenmaler. Doch das ist lange her. Seit einem Unfall bin ich gehbehindert, erhalte IV. Der Unfall und weitere schwierige Umstände haben mich komplett aus der Bahn geworfen. Jetzt bin ich fünfzig und hänge an der Flasche, Hochprozentiges wenn’s geht. Eine eigene Wohnung ist mir einfach zu viel, vor dem betreuten Wohnen habe ich Angst. Angst, mich wieder einem System zu unterwerfen. Ich bin einfach nur enttäuscht, traurig, müde. Tagsüber liege ich betrunken im Casinopark. Nachts schlafe ich an der Limmat. Heimatlos, beziehungslos, hoffnungslos.

Wird je wieder ein Tag vergehen, an dem ich nicht zur Flasche greife?

Andy’s Leben hing an einem seidenen Faden. Im letzten Moment liess er sich durch den Gassenarbeiter von HOPE bewegen, eine Institution in der Ostschweiz zu besichtigen: Ein umfunktionierter Bauernhof nahe der Grenze mit viel Umschwung, Geissen und Hühnern. Man wohnt dort in einer Hofgemeinschaft und lebt sein Leben eigenverantwortlich. Diese Freiheit brauchte Andy und hat ihn überzeugt. Doch zuerst folgten der Alkoholentzug und ein längerer Gefängnisaufenthalt. Nach einer Probewoche in besagter Institution begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Heute lebt er schon über 3 Jahre dort. Es gefällt ihm sehr. Er hat endlich ein Zuhause gefunden und kümmert sich leidenschaftlich um die Hühner.

hoffnung-geben